Homestay in Laos

Tag 25 – Pak Beng

Sabai dee!
Das bedeutet Hallo in Laos.

Gerade sitze ich hier, total eingemummt in Jacken und Decken auf dem Boot, trinke meinen Tee und habe jetzt die Zeit euch zu berichten, was gestern alles passiert ist.

Der Tag gestern begann schon früh. Um 4:45 Uhr hat mein Wecker geklingelt. Da kann man sich vorstellen, wie verschlafen wir noch waren. Aber das frühe Aufstehen hatte einen bestimmten Grund. Die Zeremonie der Mönche („alms ceremony“) stand nämlich auf dem Programm. Jeden morgen marschieren die Mönche in Gruppen durch Luang Prabang, um ihre Opfergaben bzw. ihr Essen einzusammeln. Das gibt es wirklich nicht mehr an vielen Orten. Somit sind wir früh morgens im stockdunkeln in die Altstadt Luang Prabangs gelaufen, um Sticky Rice für die Mönche zu kaufen. Es ist typisch, Reis für sie vorzubereiten. Aber auch Süßigkeiten und anderes werden verteilt. Dann ging es in eine Seitenstraße, wo schon Teppiche am Straßenrand für uns hingelegt wurden. Dort sollten wir uns hinknien und davor natürlich die Schuhe ausziehen. Dann hieß es warten.

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Als wir nach Laos eingereist sind haben wir übrigens ein Blatt mit den Do ´s und Don ´ts dieses Landes erhalten. Dies gilt später auch für Myanmar. Denn in diesen Ländern herrschen etwas andere Regeln als sonst. Wenn man als Tourist hier unterwegs ist, sollte man sich schon der Kultur anpassen und einige Regeln einhalten. Für die Zeremonie hieß das: „Frauen dürfen niemals einen Mönch berühren“ und „Frauen müssen steht´s niedriger als die Möche sein“. Außerdem darf man keine Bilder von einer zu nahen Perspektive machen. Natürlich muss man auch wieder entsprechend gekleidet sein. Knie und Schultern sollten bedeckt sein. Das war an diesem morgen aber auch bitter nötig. Es war sowas von bitter kalt. Ich war froh, um jede Schicht die ich anhatte.

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Bevor es dann losging, hat uns unser Guide noch erklärt was wir überhaupt mit dem Reis anstellen sollen. Wenn die Mönche mit ihrem runden Gefäß, welches sie unter einen Arm klemmen, vorbei kommen, sollen wir den Reis in kleine Kugeln formen und in das Gefäß legen. Und dann ging es auch schon los. Die Stimmung war irgendwie etwas seltsam, aber auch sehr besonders. Die kleinen Gruppen an Mönchen in ihren orangenen Gewändern sind an uns vorbei gezogen und haben ihre Reiskugeln eingesammelt. Einige Mönche sind übrigens fast ganz umhüllt vom orangenen Gewand, andere nur zum Teil. Das hängt mit der Dauer des Mönchseins zusammen. Frische, junge Mönche sind nur zum Teil bedeckt, die Älteren komplett. Was das Essen angeht nehmen sie alles, was sie bekommen können. In dieser Region essen die Mönche auch Fleisch. Auf keinen Fall sind sie wählerisch. Alles was ihnen die Leute geben, wird gegessen. So stellt sich Ihnen nie die Frage: „Was soll ich heute essen?“. Sie sind vollkommen glücklich und zufrieden mit dem was sie haben und bekommen. Das ist das Prinzip. Dankbar sein, für alles was man hat und bekommt. Außerdem essen Mönche, so wie ich das mitbekommen habe, nur bis zu einer gewissen Uhrzeit. Nach dem Mittagessen wird nichts mehr gegessen.

Da es dann wirklich super schnell ging, und wir fast nicht hinterhergekommen sind mit Reisbällchen formen, haben wir beschlossen die Bällchen schon einmal für die nächste Gruppe vorzubereiten. Der nächste Mönch hat uns aber gleich eines besseren belehrt. Man darf den Reis nicht schon davor zu Bällchen formen. Richtig ist es, einfach ein bisschen vom Reis zu entnehmen und es in den runden Behälter zu legen.
Nach drei Gruppen war das ganze Spektakel auch schon vorbei. Ich dachte, dass da hunderte von Mönchen auf uns zu kommen werden. Ok, vielleicht auch ein paar weniger. Aber das nur drei kleine Gruppen kamen, hat mich gewundert. Deshalb hatte ich auch noch mehr als die Hälfte an Reis übrig. Der musste dann von uns gegessen werden. Das war dann auch nicht schlimm.

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Um ca. 6:40 Uhr waren wir dann wieder am Hotel zum Frühstücken. Danach hieß es schnell sein Gepäck holen. Denn ab ging´s in das große Tuk Tuk. Omg war ich froh um meinen Lagenlook. Ich hatte gefühlt alles an was man so übereinander tragen konnte. Es war super kalt. Gerade noch im offenen Fahrzeug mit Fahrtwind kommt einem das noch heftiger vor. Nach ca. 25 Minuten waren wir dann aber am Wasser. Die zweitägige Bootsfahrt konnte beginnen.

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Das Boot ist ganz lang und flach. Man hat sogar die Möglichkeit sich mal etwas hinzulegen. Das hatten wir nach der kurzen Nacht auch bitter nötig. Die Seiten des Bootes sind offen. Aber wir hatten zum Glück eine große Ansammlung an Decken parat. Es war so lustig anzusehen, wie sich jeder von uns in eine andere Ecke verkrochen und eingemummt hat. Ansonsten gibt es hier nicht viel spannendes. So hatten wir ab jetzt die Zeit uns etwas auszuruhen, Musik zu hören, zu lesen, die Landschaft zu genießen und unsere mitgebrachten Snacks zu essen. Kaffee, Tee, Wasser und Bananen gab es gratis.

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Gegen späten Nachmittag, ich glaube es war so ca. 16:30 Uhr, haben wir dann an einem Art Strand angehalten. Ich wusste gar nicht was jetzt geschieht. Wirklich mitten im nirgendwo haben wir gehalten. Klar, ich wusste, dass wir heute Abend nicht auf dem Boot, sondern in einem Homestay übernachten werden. Aber hier war einfach nichts. Das einzigste was man sehen konnte waren ein paar kleine Kinder, die im Sand gespielt haben. Als wir dann aber weiter hochgelaufen sind, kamen wir in ein kleines Dorf. Wir sind also doch am Homestay angekommen. Ich war wirklich geflasht. Wir waren wie in einer anderen Welt.

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Bevor es dann dunkel geworden ist, hat der Guide aus Laos uns durch das kleine Dort geführt. Es war wirklich beeindruckend. So viele Kinder haben hier gespielt und sind uns hinterhergelaufen. So goldig! Alle, oder zumindest die meisten, schienen so glücklich und energiegeladen. Es war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. Man hat sich nicht unbedingt schlecht gefühlt, aber man hatte einfach im Hinterkopf, wie wenig diese Menschen hier haben und wie gut es uns zu Hause geht. Ob wir damit aber wirklich glücklicher sind, mag ich zu bezweifeln. Man kann es eigentlich gar nicht miteinander vergleichen. Bei uns zu Hause streben alle nach der Karriere und Geld. Jeder will immer mehr haben, als das er schon hat. Aber zufriedener wird man dadurch nicht. Man merkt hier, dass die Familie, die Freunde und die Gesundheit das wichtigste sind. Hier hat jeder seine kleine Hütte, seine Familie und vielleicht sogar seine kleine Farm. Man ist froh, um alles was man hat. Es sind einfach zwei verschiedene Welten!

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In dem Dorf leben ca. 30 Familien. Jede in einer Art Holzhütte. Strom gibt es keinen! Die Kinder beschäftigen sich somit ganz anders wie wir. Es gibt kein Handy, kein Laptop, kein Internet oder sonstiges. Hier wird im freien gespielt. In der Mitte des kleinen Dorfes war wie eine Art Volleyballanlage, wo die Jungs gegeneinander gespielt haben. Das Spiel wurde aber mit dem Füßen gespielt. Fußball über ein Volleyballnetz kann man es fast nennen. Sie haben es auf jeden Fall sehr gefeiert.

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Ganz oben sind wir dann zur Grundschule galangt, wo den Kindern viele Grundlagen beigebracht werden. Große internationale Universitäten gibt es nur in Luang Prabang, Vientiane und einen Ort im Süden von Laos. Das Einkommen der Familien hier ist wirklich sehr gering. Sie bekommen ca. 3-4 Millionen Kip im Jahr. Somit kann sich auch nicht jede Familie leisten, dass ihre Kinder zur Schule gehen. Vieles an Essen bauen sie allerdings auch hier an. Gerade Gemüse, Obst und Reis kann man hier anbauen. Hühner und zum Beispiel Schweine werden auf der Farm gehalten. Wir haben in dem Dorf eigentlich fast nur Kinder und einige Mütter gesehen. Die Väter waren demnach auf der Farm arbeiten. Uns wurde auch erzählt, dass Menschen aus Pak Beng am Ufer halten, um ihnen einige Dinge abzukaufen, die zum Verkauf stehen. Oft werden auch einfach Güter getauscht. Pak Beng ist die nächste große Stadt hier. Sie liegt eine Stunde mit dem Boot vom Homestay entfernt.

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Als wir wieder runter zum Haupthaus gegangen sind haben uns die Kinder natürlich wieder begleitet. Die waren ganz fasziniert von meiner kleinen Kamera. Da wollten die natürlich auch mal ein Selfie machen. So süß. Irgendwie krass, dass für die Menschen hier, eine Kamera so etwas besonderes und außergewöhnliches ist und wir das manchmal gar nicht wertschätzen.

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Unten wurde dann noch ein Spiel gespielt, bevor es dann Abendessen gab. So viel wurde für uns vorbereitet und alles war wieder extrem lecker. Später haben uns dann die Familien zu ihrem Haus geführt. Wir haben immer zu zweit in einer anderen Familie übernachtet. Das hat es noch einmal besonders gemacht. Die Menschen schlafen hier auf Matratzen auf dem Boden. Somit war das auch unser Schlafplatz. Wir hatten aber zum Glück wieder ein wunderschön pinkes Mosquitonetz. Darauf sollte man auch Wert legen. Die Klos waren natürlich jetzt nicht der Börner, aber man hat es ausgehalten. Für die Gastfamilien gab es jeweils noch ein kleines Geschenk. Ich denke zwar wirklich, dass sie sich darüber gefreut haben. Dennoch kam man sich halber vor, als wenn wir weiße Götte aus dem Westen wären, die eine gute Tat vollbringen möchten. Dabei sind wir ja wirklich nichts besseres. Was mich ein bisschen gewundert oder auch geschockt hat ist die Tat, dass hier anscheinend fast 4 Mal die Woche Touristengruppen kommen, um hier zu übernachten. Damit hätte ich nicht gerechnet.

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Ich habe mich an dem Abend irgendwie nicht so super gefühlt. Seit der Bootsfahrt hab ich irgendwie total geglüht. Ich hatte schon fast das Gefühl Fiber zu haben oder zu bekommen. Kopfweh kam dann auch noch dazu. Wirklich nicht so optimal! Vielleicht liegt es an dem vollen Programm die letzten Wochen, dem wenigen Schlaf, dem ständigen Ort- und Wetterwechsel oder an weiß Gott was. Hier schleppen auch einfach einige in der Gruppe etwas mit sich herum. Das kann auch daran liegen. Ich hoffe nur, dass es schnell besser wird. Denn bald beginnt der programmreiche Reisealltag wieder.
Auf dem Boot kann ich mich ja dann noch einmal etwas ausruhen!

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